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Die unbemannte Zukunft
Während die Öffentlichkeit mit den »Epstein Files« beschäftigt ist, zeigen aktuelle Dokumente von Europol, UN und Anthropic, dass die Konvergenz von KI, Robotik und Biotechnologie rapide voranschreitet. Die entsprechenden Produkte – Nano-Bots, Humanoiden und autonome Drohnenschwärme – stellen eine existenzielle Bedrohung für unsere Spezies dar. Denn sie machen aus der kognitiven Kriegsführung der »vierten industriellen Revolution« eine zunehmend physische Bedrohung. Bis der Mensch demnächst endgültig an Bildschirme gefesselt ist und Maschinen die analoge Welt vor seinem schlechten Einfluss »schützen«.
Tom-Oliver Regenauer | 27.02.2026
Der Journalist, Dokumentarfilmer und Autor James Corbett nannte die Jahre 2020 bis 2025 kürzlich »die Ruhe vor dem Sturm« – und die Phase ab 2026 »den Sturm«. Und damit hat der geschätzte Kollege vermutlich Recht. Denn nachdem die Covid-Krise genutzt wurde, um die notwendige Infrastruktur für ein technokratisches Herrschaftssystem aufzubauen, wird die »Algokratie« nun flächendeckend ausgerollt. Die Werkzeuge des neuen Herrschaftssystems werden bereits im Alltag eingesetzt: Künstliche Intelligenz (KI) auf jedem Endgerät, Altersverifikation fürs Internet, biometrische Ausweise, omnipräsente Observation, digitales Geld – alles keine Zukunftsmusik, sondern Beschreibungen der Gegenwart.
Während die Öffentlichkeit mit den »Epstein Files«, die zumindest den Lesern meiner Texte wenig Neues offenbaren dürften, beschäftigt ist, laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für eine »unbemannte Zukunft«, wie Europol das Kommende in einem 48 Seiten umfassenden Report vom 8. Dezember 2025 plakativ bezeichnet.
Bevor ich mich dem Inhalt des besagten Dokuments zuwende, sei kurz darauf hingewiesen, dass die im zweiten Absatz verlinkte Webseite, auf der Jeffrey Epsteins E-Mails, Fotos, Textnachrichten, Flüge und Amazon-Bestellungen einsehbar sind – Jmail – in Zusammenarbeit mit The Economist entstand, einem 1843 gegründeten Medienkonzern, der seit 1946 eine eigene, exklusive »Intelligence Unit« betreibt und zu 26,7 Prozent der Familie Rothschild gehört. So sind die beiden interessantesten Fragen in Bezug auf die circa drei Millionen neuen Epstein-Dateien also, warum diese genau jetzt und in dieser Form veröffentlicht wurden – und warum die Rothschilds darin so häufig erwähnt werden, obwohl Epstein am 28. Februar 2016 in einer E-Mail an Peter Thiel schrieb: »Wie Du vielleicht weißt, repräsentiere ich die Rothschilds«. Warum also steht ein nachweislich krimineller Clan, der seit dem 18. Jahrhundert – »aus Gründen« – Wert auf absolute Diskretion und inzestuöse (ab Min. 7:34) Partnerschaften legt, plötzlich auf diese Art in der Öffentlichkeit und die Story zum Leak in Mainstream-Publikationen wie Financial Times, Reuters und Le Monde? Dieser Frage wird noch nachgegangen werden müssen.
Doch nun erst einmal zurück zur »unbemannten Zukunft«, die gemäß Europol-Dokument immerhin noch vom »Vertrauen der Öffentlichkeit« abhängt, weil dies »entscheidend für die Legitimität der Strafverfolgungsbehörden und ihrer Leistungsfähigkeit« ist. Nach diesem Eingeständnis erklärt die Polizeibehörde der Europäischen Union:
»Bis 2035 wird die Konvergenz von Robotik und technologischen Durchbrüchen, insbesondere KI, zu einer nahtlosen Integration intelligenter Maschinen in alle Bereiche des täglichen Lebens und der Industrie führen. Roboter, ausgestattet mit fortschrittlichen Sprach- und Bildverarbeitungsmodellen, verstehen und antizipieren intuitiv menschliche Bedürfnisse und lernen neue Aufgaben durch Beobachtung oder einfache verbale Anweisungen. (...) Die Technologiebranche hat sich grundlegend gewandelt, da viele der dominanten KI-Unternehmen der 2020er Jahre sich zu führenden Anbietern von Robotik entwickelt haben. Diese Firmen, die ihren Hauptsitz hauptsächlich in den USA und Ostasien haben, nutzten ihre führende Position bei grundlegenden KI-Modellen, um hochentwickelte, autonome Robotersysteme zu entwickeln, die heute Branchen von Logistik und Fertigung bis hin zur Altenpflege und städtischen Infrastruktur dominieren. Mit ihren massiven Datenreserven, ihrer Recheninfrastruktur und ihrem Kapital konnten diese Unternehmen Produktion und Vertrieb rasant ausbauen und kleinere Wettbewerber verdrängen. Robotik ist keine eigenständige Branche mehr, sondern eine Erweiterung der KI-Imperien – ein Ökosystem, in dem KI und physische Automatisierung eng miteinander verknüpft und von wenigen globalen Akteuren kontrolliert werden.«
Im weiteren Verlauf des Papiers geht es denn auch um »physische KI«, das »Echtzeit-Schwarmverhalten« autonom operierender Maschinen sowie das NATO-Projekt HFM-SCI-ET-219, »das derzeit den Grundstein für eine NATO-weite Angleichung der Standards und (...) Verfahren für die Mensch-Schwarm-Interaktion legt«. Die Spezies Mensch scheint in dieser unbemannten Zukunft nur noch eine Nebenrolle zu spielen. Als eine Form von Unterart, die sich der maschinellen Machtergreifung widerstandslos ergibt und bis auf ein paar urbane Sabotageakte oder Protest-Banner mit der Aufschrift »Menschen stehen an erster Stelle« nicht mehr viel auszurichten weiß. Europol ist außerdem der Ansicht, dass die Polizeibehörden im Jahr 2035 auch gegen Roboter ermitteln müssen, weil diese für Verbrechen eingesetzt würden oder sie gar selbst begehen.
In der Folge verwandeln sich laut der Behörde auch die Innenstädte. Aus dem öffentlichen Raum, der bislang menschlichem Sozial- und Wirtschaftsleben diente, wird ein Kriegsgebiet, das mit »stillen Netzen aus Akustikmasten, die Mikrorotoren im Umkreis von einem Kilometer erfassen«, überzogen wird. »Poller und Straßenlaternen« werden mit »verdeckten Mikrowellen-Verteidigungskapseln ausgestattet, die anfliegende Module in Millisekunden zerstören«. Streifenbeamte tragen »Robo-Freezer-Pistolen und Nano-Netzgranaten, die sich wie ein Löwenzahn entfalten« und abtrünniger Drohnen habhaft werden. Der Himmel über der Stadt wird zu einer »Luftautobahn«, die von autonomen Drohnenschwärmen frequentiert wird. »Patrouillen-Drohnen« und »hochfliegende Pseudosatelliten« (HAPS) werden Ballungszentren mittels hochauflösender Spektralkameras und Wärmebild-Scans in Echtzeit überwachen. Doch damit nicht genug. Dank flächendeckender 6G-Netzwerke wird das Internet der Dinge (IoT) nicht nur Städte, sondern auch den Untergrund, ländliche Gebiete und die Ozeane in Beschlag nehmen.
Unter der Überschrift »digital wird physisch« warnt Europol davor, dass die Konvergenz von KI und Robotik dafür sorgen wird, dass »Cyber Crime« – also Verbrechen im digitalen Raum – zunehmend Auswirkungen in der realen Welt haben werden und die Strafverfolgungsbehörden deshalb ihre Überwachungsinfrastruktur den neuen Herausforderungen anpassen müssen. Es ist paradox: Die Weiterentwicklung von KI-Robotik zwingt den Homo sapiens letztlich dazu, einen omnipräsenten Polizeistaat ungekannten Ausmaßes zu akzeptieren, weil er seinem Fortschritt ansonsten schutzlos ausgeliefert ist.
Dass es in dieser unbemannten Zukunft »keinerlei Privatsphäre« mehr geben wird, steht ohnehin außer Frage. Im gleichnamigen Absatz erklärt Europol nämlich:
»Satelliten, künstliche Intelligenz, Open-Source-Intelligenz und Echtzeitüberwachung haben moderne Konfliktzonen in das verwandelt, was heute als transparentes Schlachtfeld bezeichnet wird. Vielleicht ist dieser Ausdruck auch für die Gesellschaft im Allgemeinen relevant – die transparente Gesellschaft. Unbemannte Systeme, die sich in unserer Welt bewegen und mit uns und untereinander interagieren, werden die Welt um sich herum beobachten, mit uns darin. Wenn diese Systeme allgegenwärtig werden, bedeutet dies, dass wir fast überall und jederzeit beobachtet werden können. Bei Haushaltsassistenzsystemen dehnt sich dies auf die Privatsphäre der Menschen aus. Je nach Implementierung und geltenden Datenschutzstandards könnten die Beobachtungen dieser Systeme dazu genutzt werden, Daten über Menschen ohne deren Wissen oder ausdrückliche Zustimmung zu sammeln. Obwohl dies bereits ein weit verbreitetes Geschäftsmodell bei Smartphones und einer Vielzahl von IoT-Geräten, einschließlich Haushaltsrobotern, ist, dürfte die zunehmende Leistungsfähigkeit und Autonomie unbemannter Systeme diese Bedrohung der Privatsphäre noch verschärfen.«
Ein Aspekt, der dem Herrschaftskartell dabei in die Karten spielen dürfte, ist, dass es mit zunehmender Autonomisierung immer schwerer wird, Verantwortlichkeiten auszumachen. Denn wer soll haftbar sein, wenn ein autonomes System aus der Reihe tanzt, eine Fehlfunktion hat oder einen Menschen erschießt? Der Besitzer, Eigentümer, Hersteller, Programmierer, Lieferant – oder das System selbst? Und wie soll Letzteres, zum Beispiel in Form der Demontage eines Roboters, von uns biologischen Lebensformen in irgendeiner Weise als Strafverfolgung ernst oder wahrgenommen werden, wenn solche Systeme in industriellen Mengen hergestellt werden? So markiert die Konvergenz von KI und Robotik die Schnittstelle zwischen Korporatismus und Technokratie. Zwischen »neuer Weltordnung« und neuem Zeitalter.
Das sieht wohl auch der Menschenrechtsrat (HRC) der Vereinten Nationen (UN) so. Denn im Oktober 2025 veröffentlichte die Generalversammlung der UN ein Dokument, das sich mit den »Auswirkungen neuer und aufkommender Technologien im militärischen Bereich« beschäftigt – namentlich also mit KI, Neurowissenschaft, Robotik sowie Bio- und Nano-Technologie. Das Dokument attestiert zunächst, dass der Übergang zwischen ziviler und militärischer Nutzung entsprechender Innovationen fließend und eine Abgrenzung mittlerweile nicht mehr möglich ist. Dieser Umstand mache es laut HRC ungleich schwerer, etwas gegen daraus resultierende Menschenrechtsverletzungen zu unternehmen – obwohl diese symbiotischen Entwicklungen als asymmetrische Kriegsführung gegen die Spezies Mensch gewertet werden müssen.
Anschließend führt das Gremium aus, dass diese neue Domäne technologischer Entwicklungen »die Gefahr einer entmenschlichenden Nutzung von Gewalt birgt – was den Trend, Menschenleben mittels algorithmischer Etikettierung und Zielerfassung sowie unter (...) Ausschluss moralischer und ethischer Erwägungen, die dem menschlichen Urteilsvermögen innewohnen, auf bloße Datenpunkte zu reduzieren, verschärft«. Dies habe zu »Debatten über die Anwendung des Völkerrechts auf neue Militärtechnologien wie KI-gesteuerte Entscheidungsfindung, autonome Waffensysteme, unbemannte Systeme und militärische Programme zur Verbesserung der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten der Kombattanten« geführt.
Was mit »Verbesserung« gemeint ist, erläutert Abschnitt C.34 des HRC-Reports – der sich in der Folge mit »genetischen, biologischen und kybernetischen« Optimierungen des Homo sapiens befasst. Mit »Pillen, Neuralimplantaten und Neuroprothesen«. Diese Technologien, so der HRC, stellen »insbesondere im Hinblick auf Privatsphäre, informierte Einwilligung, körperliche Unversehrtheit und geistige Integrität ein Risiko« dar. Im weiteren Verlauf warnt der HRC vor der ausufernden Sammlung und Weitergabe biometrischer Daten, permanenter Gesichtserkennung im öffentlichen Raum sowie autonomen Waffensystemen zur Grenzsicherung.
Abschnitt E befasst sich mit kognitiver Kriegsführung und stellt fest, dass anstelle von militärischen Gegnern zunehmend die zivile Öffentlichkeit ins Visier solcher Operationen gerät. Die rasante Weiterentwicklung von KI habe profunden Einfluss auf die kognitive Informationsverarbeitung und mache das Gehirn zu einem Schlachtfeld, so der HRC. In Anbetracht der uns umgebenden Realität ist das wohl eine viel zu verhaltene Feststellung – denn mittlerweile ist praktisch der gesamte öffentliche Raum ein Angriff auf den Geist.
Die massivste Bedrohung für den Fortbestand unserer Spezies beschreibt allerdings Abschnitt F, der die Verschmelzung von KI, Biotechnologie und biologischen Kampfstoffen beschreibt – also KI-gestützte Biowaffen. Dahingehend erklärt das UN-Dokument, dass »die Integration von KI in die synthetische Biologie, die die Neugestaltung von Organismen für spezifische Zwecke umfasst, die Entwicklung völlig neuer Organismen mit maßgeschneiderten Eigenschaften ermöglichen könnte«. Dies berge »das Risiko der Entwicklung unvorhergesehener und gefährlicher biologischer Kampfstoffe, die potenziell zu neuen Formen biologischer Bedrohungen führen können«.
»KI-gestützte Biowaffen stellen eine Bedrohung für das Recht auf Leben, Unversehrtheit, Gesundheit und eine saubere, gesunde Umwelt dar. Darüber hinaus könnten sie potenziell Herausforderungen für die Biosicherheit und die biologische Gefahrenabwehr im Hinblick auf Erkennung und Zuordnung mit sich bringen, wenn sie gezielt so konzipiert sind, dass sie bestehende Erkennungssysteme umgehen. (...) Darüber hinaus könnten Biowaffen so konzipiert sein, dass sie natürlich auftretende Ausbrüche imitieren, was die Zuordnung und die Bemühungen zur Bestimmung ihrer Quelle erschwert (...).«
Abschnitt H umreißt die Bedrohungslage in Bezug auf »Directed Energy Weapons« (DEW) – also Energiewaffen wie zum Beispiel Laser, Mikrowellen, Millimeterwellen und Teilchenstrahlen. Bei nicht-letalen Einsätzen könnten diese DEW genutzt werden, um Kommunikationsnetze zu stören und Menschen orientierungslos zu machen. Im Kampfeinsatz hätte diese Waffengattung die Fähigkeit, physische Ziele über mehrere Kilometer hinweg präzise zu zerstören. Obwohl man nicht genau wisse, so der HRC, wie diese Waffen derzeit eingesetzt werden, »implizieren aktuelle Prototypen und Versuche, dass man das theoretische Stadium verlassen habe«. Das ist korrekt – und wer das letzte Drittel meines Vortrags 2025 gehört hat, kennt auch schon die Hintergründe.
Werden Menschen von solchen Waffen getroffen, erzeugen diese auch bei Kollateralschäden schwerste Verbrennungen und dauerhafte Erblindung. »Hochenergielaser können Gewebe verbrennen, während Mikrowellenwaffen durch Erhitzen von Körperflüssigkeiten starke Schmerzen verursachen und potenziell zu schweren, dauerhaften Verletzungen führen (...)«. Töten können diese Waffen natürlich auch.
Es wäre demnach durchaus zu begrüßen, dass der Rat für Menschenrechte der Vereinten Nationen uns vor diesen Entwicklungen warnt – wären es nicht die gleichen Vereinten Nationen, die mit ihrem »Global Digital Compact« (GDC) und seinen volatil-vagen Formulierungen die Konstruktion des »digitalen Gulag« vorantreiben. Der GDC ist ein Annex des anmaßenden »Pakts für die Zukunft«, den die 193 UN-Mitgliedsstaaten im September 2024 verabschiedeten. Siehe dazu unter anderem mein Artikel »UNdemokratische Übernahme« vom 9. Juli 2023. Die fünf Kernziele des GDC sind »das Schließen digitaler Kluften, die Stärkung von Inklusion in der digitalen Ökonomie, die Förderung sicherer digitaler Räume und Menschenrechte, internationale Daten-Governance« und natürlich eine »Verbesserung der KI-Governance«. Jedes einzelne dieser Ziele bedingt die obligatorische Einführung der digitalen Identität (eID) und globaler Zensurmechanismen.
Um den GDC voranzutreiben, hat die UN am 4. Dezember 2025 das Digital Corporation Portal aufgeschaltet, eine Kooperationsplattform, auf der die »Stakeholder« Informationen austauschen und über Fortschritte bei der Einführung des Programms berichten sollen, bevor der offizielle Status des GDC im Jahr 2027 wieder von der Generalversammlung überprüft wird. Das neue Portal dient offiziell als Katalog für Initiativen, die zum GDC beitragen und den Einsatz von KI zur Vernetzung verwandter Aktivitäten. Es soll die Identifikation von Kooperationsmöglichkeiten erleichtern und den Projektfortschritt sichtbar machen. Primäres Anliegen der UN dürfte aber vor allem eine verstärkte Fusion von Regierungen und privatem Sektor sein – von Big Tech und Big Brother – die Transformation vom mechanisch-industriell geprägten Korporatismus hin zur transhumanistisch geprägten Technokratie.
Der eher oberflächliche Bericht des HRC ist als plumpes Feigenblatt zu werten. Denn was in den Abschnitten C, E und H gerne mit »könnte« oder als »möglich« beschrieben wird, ist längst Realität. Schon 2001 erklärte das famose US-Patent Nummer 6.506.148 B2, wie man das Nervensystem mit elektromagnetischen Feldern von Monitoren manipuliert. Das NATO Innovation Hub widmet dem Thema kognitive Kriegsführung eine ganze Webseite, inklusive sechs ausführlichen Newslettern. Der letzte erschien im Februar 2026 und eröffnet mit den folgenden Worten:
»Es war noch nie so wichtig, in unsere Fähigkeit zu investieren, uns gegen kognitive Kriegsführung zu verteidigen und sie durchzuführen – jetzt und in Zukunft.« (Steen Søndergaard, NATO Chefwissenschaftler)
Dass all unsere digitalen Helfer – Smartphone, Laptop, Elektroauto, Smart-Home-Geräte, Fitness-Tracker – gegen uns eingesetzt werden, ist den Lesern meiner Texte längst klar. Denn Daten sind nicht nur das Gold unserer Zeit, sondern auch der Schlüssel zu unseren Gedanken. Zu unserer Wahrnehmung. Und wer die kontrolliert, kontrolliert auch unser Verhalten. Es gilt also zunächst einmal, Herr seiner Werkzeuge zu sein – und nicht deren Sklave. Damit hat man zumindest die eigenen Daten halbwegs im Griff und gute Chancen, sich wenigstens einen Teil der kognitiven Souveränität zu bewahren.
Wie der HRC jedoch korrekt herausstellt, nimmt die Bedrohungslage mit der Konvergenz von KI, Robotik und Biotechnologie neue Formen an. Denn die daraus resultierenden »Produkte« – zum Beispiel Nano-Bots, humanoide Roboter, Smart Cities oder Drohnenschwärme – bedrohen uns auch physisch.
Während sich schon eine ganze Weile Videos von tanzenden Boston Dynamics Maschinen oder chinesischen KI-Drohnen und humanoiden Robotern, die im Labor durchdrehen, verbreiten, zeigten die meisten davon entweder animierte Modelle oder Maschinen, die noch weit von der Marktreife entfernt waren. Seit ein paar Wochen jedoch machen Roboter wie der T800 von EngineAI, der Walker S2 von UBTECH, Atlas von Boston Dynamics oder der H2 aus dem Hause UNITREE von sich reden. Maschinen, die – zumindest in Social-Media-Videos – gelenke Kampfsportübungen machen und in Verbandsstärke Maschinengewehre abfeuern.
Dem Umstand zum Trotz, dass die meisten dieser Videos ein »Fake« und mit KI produziert sind, belegt ein Blick auf die firmeninternen Informationen der Hersteller, dass die Fusion von KI, Biotechnologie und Robotik sehr weit fortgeschritten ist – dass es nicht mehr lange dauern dürfte, bis uns solche Maschinen auf der Straße begegnen. Bis solche Maschinen dort Regeln durchsetzen.
So kann »Claude«, der KI-Assistent von AnthropicAI, laut Meldungen vom 23. Februar 2026 jetzt COBOL-Code optimieren, eine komplexe Programmiersprache, die vor allem in Konzernen und Regierungen verwendet wird. Das untergräbt das Geschäftsmodell von Beratungsunternehmen wie Accenture, Cognizant und IBM, was den Aktienkurs von IBM binnen eines Tages auf den tiefsten Stand seit Oktober 2000 sinken ließ und zu Entlassungen führen wird. Der CEO von Anthropic, Dario Amodei, veröffentlichte im Januar 2026 ein Essay, das verdeutlicht, dass »Super Human AI« – also KI, die dem Menschen weit überlegen ist – bereits 2027 existieren könnte. Amodei spricht diesbezüglich von einem Tsunami, den zwar viele am Horizont erkennen können, aber völlig unterschätzen.
Nicht umsonst entließ Twitter-Gründer und Block-CEO Jack Dorsey am 26. Februar 2026 fast die Hälfte seiner 10.000 Mitarbeiter. Sie werden durch KI ersetzt. Und ganz im Gegensatz zu IBM, schoss der Aktienkurs von Block nach Bekanntwerden der Meldung um gut 24 Prozentpunkte nach oben. Nachdem Dorseys Unternehmen im September 2025 stolze 68 Millionen US-Dollar für eine einzige Party ausgab, vermutet manch einer, die wahren Gründe für die aktuelle Massenentlassung seien schlechte Planung und Verschwendung.
Mag sein, aber der Trend ist nicht zu leugnen. Denn auch Amazon, Tesla, BMW und Toyota setzen längst humanoide Roboter in Logistik und Fertigung ein. Und die Modelle WuBot oder H1/H2 von Unitree können tatsächlich Kung-Fu, Saltos und andere wilde Dinge. Das scheint dieser Tage auch den Politdarsteller Friedrich Merz zu einem persönlichen Besuch des Unternehmens animiert zu haben. Auf der diesjährigen Frühlingsgala gab Unitree nach einer beeindruckenden bis beängstigenden Produktpräsentation an, ab sofort mindestens 20.000 Einheiten dieser Modelle im Jahr liefern zu wollen.
Gartner prognostiziert, dass es bis 2028 circa 20 Unternehmen gelingen wird, humanoide Roboter in industriellem Ausmaß herzustellen. Nimmt man Unitrees aktuelle Stückzahl als Maßstab, ergibt das 400.000 Roboter pro Jahr. Entwickelt sich der Markt so rasant weiter wie im Moment, werden es eine oder mehrere Millionen sein. Hinzu kommen autonome Drohnen und Roboterhunde wie »Spot« von Boston Dynamics – oder auch deutsche Insektendrohnen und digital aufgerüstete Kakerlaken des wertvollsten deutschen Defense Start-ups Helsing. Auf seiner Internetseite präsentiert sich Helsing als »neuartiges Verteidigungsunternehmen«, das mit riesigen Buchstaben »Zum Schutz unserer Demokratien« aufmarschiert.
»Die veränderte geopolitische Lage erfordert einen neuen Ansatz in der Produktion von Verteidigungsgütern. Der Ukrainekonflikt hat einen kritischen Bedarf an souveräner und verteilter Produktion in großem Maße in ganz Europa und der NATO aufgedeckt. Dies gilt insbesondere für die benötigten Massen an intelligenten UAVs und Präzisionsmunition. (...) Resilienzfabriken sind neue hocheffiziente Produktionsanlagen, die eine souveräne Produktion in demokratischen Nationalstaaten sicherstellen. (...) Helsing errichtet Resilienzfabriken auf dem gesamten europäischen Kontinent und erschließt damit dezentrale Produktionskapazitäten für kritische Verteidigungsgüter.« Zur »Stärkung der souveränen Verteidigungsfähigkeit in NATO und Europa«, so Helsing.
Eine ähnlich gelagerte Produktpalette entwickelt das deutsche Start-up SWARM Biotactics. Je nach Entwicklungsstand, Produktionskapazitäten und Akzeptanzlevel sind wir auf der Straße also vielleicht bald in der Unterzahl – weil der Homo sapiens zu Hause vor einem Bildschirm erstarrt und Maschinen die analoge Welt vor seinem schlechten Einfluss »schützen«.
Neuste Zahlen der BIZ (Bank für International Zahlungsausgleich) weisen aus, dass die KI-Giganten mittlerweile für 30 bis 40 Prozent der Marktkapitalisierung in der jeweiligen Jurisdiktion verantwortlich sind. Darüber hinaus gilt zu bedenken, dass alle großen KI-Modelle – ob von OpenAI, Anthropic oder Google – laut einer neuen Studie Atomschläge empfehlen, wenn sie Kriegssimulationen berechnen. In 95 Prozent dieser Planspiele empfiehlt die KI den Einsatz taktischer Nuklearwaffen. Mit der zunehmenden Verwendung autonomer Systeme zur Entscheidungsfindung auf Seiten der Militärs ist auch das ein signifikantes Risiko für jede Form von biologischem Leben.
So gilt auch in diesem Kontext – wie so oft: Die Themen, die in den Nachrichten nicht besprochen werden, sind die wichtigsten. Vor allem dann, wenn wir schon den Punkt erreicht haben, an dem der HRC der Vereinten Nationen ein warnendes Feigenblatt zum Thema biodigitale Konvergenz veröffentlicht.
Die Epstein-Files mögen derzeit (und zum Glück) auch vielen unkritischen Zeitgenossen die Augen öffnen – ja – aber das übergeordnete Programm walzt unaufhaltsam voran. Kit Knightly, ein exzellenter Journalist, kommentierte diesbezüglich am 25. Februar 2026 für den Off Guardian:
»Sie werden noch eine ganze Weile ‚die Wahrheit‘ verbreiten, uns von JFK, UFOs, MKUltra und dem Gift in Lebensmitteln, Luft und Wasser erzählen. Natürlich wird es nicht die ganze Wahrheit sein, sondern nur aufbereitete Bruchstücke der Wahrheit, die zwei Zwecken dienen: 1. Die MAGA-Anhänger sollen glauben, ihre Seite räume tatsächlich auf. 2. Die sorgsam inszenierte Schmutzwäsche des US-Imperiums wird auf der Weltbühne ausgebreitet, um so die letzten nationalen Imperien zu diskreditieren und zu degradieren. Die globale Machtstruktur ist durch diese ‚Enthüllungen‘ nicht bedroht, sondern wird sie sogar nutzen, um eine Metamorphose zu verschleiern.«
Richtig. Genau deshalb sind ein gutes Dutzend Rücktritte, zwei Verhaftungen und ein paar Entschuldigungen – Stand 27.02.2026 um 17:28 Uhr und inklusive Larry Summers und Borge Brende – in puncto Epstein nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das seit Jahren gut dokumentierte und jedem Spitzenpolitiker bekannte Verbrechernetzwerk unter, hinter und über Epstein rechtfertigt tausende von Vorladungen, hunderte von Verhören und ebenso viele Anklagen. Und sollte der Epstein-Skandal dieses System nicht »zu Fall« bringen, wird es vermutlich auch kein anderer Skandal mehr tun.
Aber es gibt auch gute Nachrichten. So musste die New Yorker Polizei 2021 einen Rückzieher machen und ihren autonom patrouillierenden Robo-Hund »Digidog« wieder außer Dienst stellen, weil sich die Menschen im Einsatzgebiet der unsympathischen Maschine überwacht und bedroht fühlten. Der entsprechende Protest aus der Bevölkerung gewann rasch an Momentum und zwang die Behörde, das Gerät stillzulegen. Für eine Weile zumindest. 2023 feierte der »Digidog« leider sein Comeback, weil der öffentliche Druck nachgelassen hatte.
Dafür gab Amazon als Eigentümer eines Herstellers von kameraüberwachten Türklingeln vor wenigen Tagen bekannt, die Partnerschaft mit Flock Safety, einem Netzwerk KI-gestützter Überwachungskameras, das die US-Einwanderungsbehörde ICE zur Ausweitung ihrer hemmungslosen Massenüberwachung nutzen wollte, nach massivem Gegenwind aus der Bevölkerung zu beenden.
Ähnlich gelagerte Fälle häufen sich – auch wenn sie nicht immer Schlagzeilen machen – und beweisen, dass Gegenöffentlichkeit und friedliche Proteste etwas bewirken. Dass es am Ende immer noch von uns abhängt, wie viel Raum wir den Maschinen und ihren kriminellen Dienstherren in unserer Zukunft zugestehen.
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