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Mein Vorwort für das am 23. März über regenauer.press veröffentlichte, gleichnamige Buch von Silvia Lorenz – einem Werk, das in Anbetracht der aufziehenden "Energiekrise" täglich an Relevanz gewinnt. Denn die Zeit, um sich auf das Kommende vorzubereiten, wird knapp. Links zur Bestellung finden sich direkt hier unter dem Text.
Tom-Oliver Regenauer | 15.03.2026
Vor 3.500 Jahren ließen sich Menschen von einem Pharao regieren, weil sie ihn für Gott hielten. Seit knapp 2.000 Jahren folgen Christen einem Papst, weil dieser behauptet, der »Stellvertreter Christi« auf Erden zu sein. Fast 1.000 Jahre lang ließen sich unsere Vorfahren vom Adel beherrschen, weil dessen Angehörige behaupteten, dass Gott selbst sie auserwählt habe. Weil sie vorgaben, irgendein »blaues Blut« zu vertreten. Dann kamen Aufklärung, französische Revolution, die Abschaffung der Feudalordnung und Partizipation – die »Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk«, wie Abraham Lincoln es 1863 in Gettysburg nannte. Die Demokratie. Jetzt lassen sich Menschen von einem Kanzler regieren, weil er ... ähm. Gute Frage – warum eigentlich?
Von seinem Volk gewählt wurde? Von einer Mehrheit der Bürger? Den »Wahlberechtigten«? So wie Ursula von der Leyen, die in Brüssel gerade ihren neuen Geheimdienst zusammentrommelt? Oder Annalena Baerbock, die sich zur Präsidentin der UN-Generalversammlung durchgestottert hat? Oder der kanadische Premierminister Mark Carney, der sich noch nie für eine Wahl hat aufstellen lassen, aber im März 2025 vom »Generalgouverneur« des britischen Königs als Regierungschef »eingesetzt« wurde – und den anstelle profaner Urnengänge wohl eher seine Mitgliedschaften bei Group of Thirty (G30), Bilderberg, Weltwirtschaftsforum (WEF), Knights of Malta, der Trilateralen Kommission oder seine Chefposten bei Chatham House, der britischen Zentralbank, der kanadischen Zentralbank und dem Financial Stability Board (FSB) der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für die Position qualifizieren?
Für Carney hat Demokratie ganz offensichtlich noch nie eine Rolle gespielt. Das gilt natürlich auch für Friedrich Merz, der zwar großspurig auftritt, in puncto »Qualifikation« aber nur BlackRock, Atlantik-Brücke e.V. und ein paar Aufsichtsratsposten zu bieten hat. Aber mitspielen und ein bisschen regieren darf er ja trotzdem. Im Lichte solch grotesker Verhältnisse ist die entscheidende Frage also, warum sich Menschen überhaupt von so jemandem »regieren«, meint herumkommandieren, bestehlen, bespitzeln, belügen, verhöhnen und schlimmstenfalls in den Krieg schicken lassen.
Die Herrscher unserer Zeit geben ja nicht einmal mehr vor, Gott, der Vertreter dessen Sohnes auf Erden oder von irgendeiner ominösen Allmacht eingesetzt worden zu sein. Es sind Darsteller. Schauspieler. Korrupte, unsympathische, machtversessene, Fremdscham auslösende Gestalten. Und darüber hinaus meist nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, um es zurückhaltend zu formulieren. Ich verstehe es wirklich nicht.
»Früher war« wenigstens »mehr Lametta«, wie Loriot so schön sagte. Protzige Pyramiden, klobige Kronen, schicke Schlösser und gut geschärfte Guillotinen für den Pöbel. Heutzutage ist »der beste Platz für einen Politiker das Wahlplakat«. Denn »dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen« – um nochmals Vicco von Bülow zu bemühen. Warum sollte man sich von solchen Leuten etwas vorschreiben lassen? Und warum hat unsere Spezies auch nach 3.500 Jahren noch immer nicht verstanden, dass es das Recht, über andere zu herrschen, nie gab, nicht gibt und niemals geben wird? Dass es durch Delegation oder die Wahl eines Repräsentanten nicht entstehen kann, wenn niemand von uns es hat?
Noch immer vertritt ein Großteil der Spezies Mensch die Ansicht, es brauche Herrschaftsstrukturen, einen Staat und das Gewaltmonopol, um »Recht und Ordnung« herzustellen – obwohl wir die meisten Dinge im Leben seit jeher wie waschechte Anarchisten regeln. Freiwillig. Selbstbestimmt. Und ohne Staat. Ob Werkstatttermin, Familienurlaub, Bewerbungsgespräche, das Grillfest mit Freunden, die Renovierung der Garage, ein Kundenseminar, das Turnier des Fußballclubs, den Lesezirkel, die Vernissage, Verträge mit Geschäftspartnern, das Karate-Training der Kids, den neuen Laptop, die Buchhaltung, Brennholz für den Winter oder einen neuen Beamer für die Schulaula. All das organisieren wir einfach so. Mit anderen Menschen. Mit Freunden, Eltern, Nachbarn, Unternehmern, Gemeindemitgliedern, Vereinsangehörigen und Arbeitskollegen. Direkt. »Peer-2-Peer« (P2P). Ganz ohne Regierung und Polizeischutz. Und meist besser als mit. Warum also sollen wir nicht auch Bildung, Finanz- und Gesundheitswesen, Pflege oder innere Sicherheit besser hinbekommen als der Staat – der ohnehin meist nur in der Rolle des besteuernden Parasiten oder paranoiden Störenfrieds eine gute Figur macht?
Weil wir etwa 192 Tage des Jahres für den Staat arbeiten und sich dieser unserer finanziellen Ressourcen bemächtigt? Weil das System uns in Abhängigkeiten hält und mit leeren Versprechungen ködert? Weil wir dem Trugschluss folgen, alles müsse zentralistisch, auf nationaler oder gar supranationaler Ebene geregelt werden? Weil wir daran glauben wollen? Oder einfach, weil wir nie gelernt haben – weil man uns abtrainiert hat – alternative Modelle des Zusammenlebens denken zu können? Weil wir uns nicht einmal (mehr) vorstellen können, wie ein eigenverantwortliches Leben ohne Staat aussieht?
Was auch immer der individuelle Grund sein mag – dem größten Teil unserer Artgenossen dürfte tatsächlich einfach die Vorstellungskraft fehlen. Und »was nicht denkbar ist, bleibt unerreichbar. (...) Selbst, wenn es mit Leichtigkeit machbar wäre. Nicht nicht aus Dummheit oder Ignoranz, sondern, weil Vorstellungskraft Vorstufe jeder Handlung ist«, wie Silvia Lorenz im Verlauf des vorliegenden Essays korrekt feststellt.
So dürfte in Anbetracht des zunehmend bedrohlichen Status quo nichts wichtiger sein, als genau diese Vorstellungskraft zu beflügeln. In Anbetracht unserer Geschichte ist das eigentlich recht einfach. Stellt man sich nämlich die Frage, wann Herrschaftsstrukturen oder Wahlen den Menschen jemals freier und wohlhabender und die Welt sicherer gemacht haben, drängt sich sehr schnell die einzig mögliche Antwort auf: Nie.
Partizipation gibt es nicht. Denn Demokratie ist Betrug – »durch das Volk, für das Volk«. Wir leben noch immer in einer feudalistischen Ordnung. Im angloamerikanischen Imperium, dessen Wurzeln sich problemlos bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Geändert haben sich in der Zwischenzeit nur die Methoden, mit denen die Herrschaftskaste sich Machterhalt sichert. Wo früher rohe Gewalt angewendet wurde, um Aufstände niederzuringen, kommen heute Nudging, Delphi-Methode und die »sechste Dimension der Kriegsführung« zum Einsatz, um eigenständiges Denken, um unsere Vorstellungskraft im Keim zu ersticken. Seit über einem Jahrhundert ist unsere Spezies nun das Opfer von »Public Relations« – von professioneller »Propaganda« der Marke (Edward) Bernays. Der 1891 in Wien geborene und 1995 in New York verstorbene Neffe Sigmund Freuds machte sich die psychoanalytischen Erfolge seines Onkels zunutze und daraus eine Waffe, die seit über einem Jahrhundert ausnahmslos jeder Despot zum Einsatz bringt, der seine »Untertanen« halbwegs stressfrei beherrschen will.
Zur Erinnerung: Folgend der erste Absatz des ersten Kapitels aus Bernays‘ Standardwerk »Propaganda«, das 1928 erstmals erschien:
»Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wahre herrschende Macht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unsere Gedanken geformt, unser Geschmack gebildet, unsere Ideen aufgebracht vor allem von Männern, von denen wir noch nie gehört haben.«
Für jene, die selbstbestimmt leben wollen, die Nietzsches »souveräne Autonomie des Individuums« ernst nehmen, ist Bernays‘ Offenbarung eine gute Nachricht. Denn seine Ausführungen lassen schlussfolgern, dass wir keine blutige Revolution vom Zaun brechen oder das System stürzen müssen, um in Freiheit leben zu können – wir müssen es einfach nur tun. Uns einfach nur abwenden und unsere eigenen Wege gehen.
Genau dafür steht Voluntarismus. Für eigenverantwortliches Handeln. Für praxisnahen Aktivismus und das Umsetzen von Lösungen, die das herrschende System schlicht überflüssig machen. Es bedarf weder Waffen noch Mehrheiten, um die Welt zu verändern, sondern lediglich einer friedvollen Abkehr vom Status quo.
Der Beginn einer selbstbestimmten Ordnung wird nicht durch ein spezifisches Event, das Hissen einer Flagge, eine existentielle Krise, einen Startschuss oder neuen Helden eingeläutet, sondern von uns selbst. Von Einzelpersonen, Familien, Nachbarschaften, kleinen Projekten, Genossenschaften, lokalen Zusammenschlüssen und autarken Systemen, die sich staatlicher Aufsicht und Einflussnahme entziehen. Von Menschen, die ihre Vorstellungskraft konstruktiv nutzen. Von kleinen Impulsen – die das vorliegende Buch hoffentlich auch einer breiteren Leserschaft zu vermitteln vermag. Denn die darin beschriebenen Gedanken, Konzepte und Prozesse sind weder Träumerei noch illegal, sondern längst Realität.
Dass Sie, werter Leser, das vielleicht (noch) nicht sehen, hat Methode. Denn Voluntarismus gedeiht im Stillen – bis das herrschende System nicht mehr gebraucht wird.
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Titelbild: Netzfund/sfr




