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Positionspapier KI
Künstliche Intelligenz ist überall: Computer, Smartphone, Auto, Arbeit, Finanzmarkt, Kunst, Kultur und Schlachtfeld. Kein Bereich ist außen vor. Doch Transparenz herrscht selten. Vor allem in der Publizistik. Höchste Zeit also, um als Autor Position zu beziehen.
Tom-Oliver Regenauer | 16.08.2026
»Keine KI – Texte & Recherchen zu 100% ohne KI«. Das steht auf einem rot-weißen »Button«, den ich kurzerhand mit einem Präsentationsprogramm erstellt und am 12. August 2026 auf meiner Webseite eingebunden habe. Es ist ein Versprechen. Eine Garantie. Ich werde sowohl auf meiner Homepage als auch in meinen Büchern nur Texte veröffentlichen, die ohne Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (KI) verfasst wurden – ohne ChatGPT, Grok, Claude, MAI, DeepSeek und Co. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, weil mein publizistisches Angebot darauf basiert, dass ich als Autor und Journalist selbstständig recherchiere, lese, denke und schreibe. Dazu brauche ich weder ein Team noch eine KI. Denn ich mag meine Arbeit und schätze deren Ergebnisse, weil ich mir stets sicher sein kann, jeweils das Möglichste getan zu haben, um meinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Ich möchte nicht möglichst viel schreiben, sondern möglichst gut. Das bezieht sich nicht nur auf den Inhalt der Texte, sondern auch auf deren Stil, weil man als Autor und nach meinem Dafürhalten Verantwortung für den Erhalt und die Weiterentwicklung der eigenen Sprache trägt – und dieser Verantwortung versuche ich durch meine Textarbeit gerecht zu werden. Darüber hinaus betrachte ich es, im Gegensatz zu einer zunehmenden Anzahl von Autoren, als meine Pflicht, den Lesern meiner Texte gegenüber Transparenz walten zu lassen. Und das habe ich mit dem kleinen Signalfarbenstatement auf meiner Seite getan.
Dieser kurze Absatz sollte als Begründung für meine Entscheidung eigentlich genügen. Im Lichte der aktuellen Entwicklungen und erwartbaren Reaktionen erscheint es mir dennoch angebracht, ein paar weitere Gründe für meine Verlautbarung anzuführen. Denn manch ein Kommentar impliziert, dass der Verfasser bereits zu oft KI benutzt und das Denken ausgelagert hat. Folgend daher zehn weitere Punkte, die man in diesem Kontext berücksichtigen sollte:
- Schreiben ist eine zutiefst menschliche Kulturtechnik, Errungenschaft und Ausdrucksform. Texte reflektieren Intellekt, Gemütslage, Eigenheiten, Quellenarbeit, Denkweise, Bildungsgrad, rhetorische Fertigkeiten, Wertekatalog, kulturellen Hintergrund, Duktus und Humor ihres Autors. Und das häufig auf subtile Weise. Zwischen den Zeilen. Durch Kleinigkeiten. Denn Sprache ist komplex. Sie verbindet Menschen, Kulturen und Kontinente. Sie ist das Fundament zivilisatorischer Entwicklung und hochgradig individuell – und naturgemäß einer konstanten Entwicklung unterworfen. Wir Menschen, insbesondere wir Autoren, tragen Verantwortung dafür, was wir aus diesem Rohstoff formen. Wer KI verwendet, um Texte zu verfassen, ist offenbar bereit, all das einer Redundanz produzierenden Maschine zu opfern. Ich bin das nicht.
- Nutzt man KI zur Recherche, erzeugt das in der Regel unnötigen Mehraufwand, weil die nicht selten zweifelhaften Ergebnisse erst gelesen und die vom System verwendeten Quellen anschließend zusätzlich verifiziert und durch seriöse ersetzt werden müssen. Die werden in den Suchergebnissen nämlich gerne unterschlagen. Sprich: Ohne KI bin ich schlichtweg schneller – und besser.
- Wer das Lesen, Denken und Schreiben auslagert, verlernt es – und zwar sehr schnell. Das Gehirn ist vergleichbar mit einem Muskel. Wird es nicht trainiert, verkümmert es. Deswegen schule ich lieber meine eigenen Fähigkeiten. Denn Neugier ist die schönste Motivation und Bildung die beste Investition. Vergegenwärtigt man sich, welch fatale
Folgen
die Einführung des Smartphones seit 2007 gezeitigt hat, braucht es nicht viel Fantasie, um zu extrapolieren, welche Auswirkungen KI in ungleich kürzerer Zeit auf die kognitiven Fähigkeiten unserer Spezies haben wird. KI ist – wie auch das
Smartphone
– zuvorderst
Militärtechnologie
und
Degenerationsinstrument. Ein Werkzeug, mit dem die wenigsten verantwortungsvoll und produktiv umgehen können. Die orientierungs-, willen- und gedankenlosen »Smombies«, die schon jetzt das Stadtbild prägen, scheinen als abschreckendes Beispiel aber noch nicht auszureichen.
- Ich weigere mich, ein System zu trainieren, das mich permanent ausspioniert und schon jetzt das Potenzial hat, mich umzubringen. Denn genau das tun Palantir,
ChatGPT
(OpenAI),
Claude
(Anthropic) und
Grok
(SpaceXAI) bereits heute in Gaza, der Ukraine, dem Iran und anderen Kriegsgebieten, wo autonome Waffensysteme von genau diesen Systemen gesteuert werden – so wie jene
Mini-Drohnen, die laut
EUROPOL
demnächst in unseren Städten patrouillieren. Wer KI-Systeme nutzt, trainiert »SkyNet«, eine zentrale Datenbank, die den echten »Terminator« steuern wird. Und der steht dank
Boston Dynamics,
Unitree
und
Tesla
recht bald vor unserer Tür.
- So bildet KI das Fundament des supranationalen, omnipräsenten Polizeistaats der Zukunft, eines digitalen Gulag, das unser Konsumverhalten, unsere Meinungsfreiheit, Energieversorgung, Mobilität und Konnektivität einschränken wird. Zum Teil ist das schon jetzt der Fall. Wer KI nutzt, macht diese Systeme mit jeder Eingabe potenter.
- Die KI-Konzerne haben sich in ungekanntem Ausmaß des geistigen
Eigentums
von Künstlern, Autoren und Journalisten bemächtigt, um die
geraubten Daten
nun gegen Gebühr an uns zurück zu verkaufen. Wer für solche Dienste bezahlt, zahlt also nicht nur für Informationen, die eigentlich kostenlos verfügbar sind, sondern
schadet
darüber hinaus auch besagten Künstlern, Autoren und Journalisten. Denn die werden
nicht bezahlt
und von KI-generierten Inhalten
verdrängt, sodass es schon in wenigen Jahren keinen Markt für menschengemachte Kunst mehr geben wird – außer, sie ist staatlich subventioniert. Von der ungeheuerlichen
Finanzblase, die durch den KI-Hype entstanden ist und das Potenzial hat, das Weltfinanzsystem implodieren zu lassen, gar nicht erst anzufangen.
- Der
Wasserverbrauch
der für KI genutzten Rechenzentren ist immens. Für 20 bis 50 Fragen an ChatGPT wird circa ein
halber Liter
verbraucht – je nach Berechnungsgrundlage. Data Center sorgen aber nicht nur dafür, dass Wasser
knapp
wird, sie
verschmutzen
und
verseuchen
es auch, sodass vielerorts schon jetzt massive Probleme in Bezug auf die Trinkwasserversorgung bestehen.
- Neben Frischwasser benötigen die Rechenzentren Unmengen von
Strom, der aufgrund von heraufziehenden Engpässen
teurer
und im schlimmsten Fall rationiert werden wird. Zusätzlich erzeugt der Betrieb eines Data Centers einen konstanten
Lärmpegel, der das Wohnen in der näheren Umgebung einer solchen Anlage zur
Tortur, beziehungsweise Unmöglichkeit macht, weil an Erholung oder gesunden
Schlaf
nicht zu denken ist. Die heiße Abluft der konstant brummenden Kühlanlagen und Generatoren erzeugt außerdem ein beständiges Mikroklima – sogenannte
Hitzeinseln. Das wiederum hat negative Auswirkungen auf
Flora und Fauna. Wem etwas am Schutz unserer Umwelt liegt, kann all das nicht gleichgültig sein. Für weitere Details in Bezug auf die negativen Effekte von KI-Rechenzentren empfehle ich den kürzlich veröffentlichten, 262 Seiten umfassenden
AI Data Center Ecology Report
von Hakeem Anwar, Gründer und CEO von Above Phone, mit dem ich gerade erst ein
Interview
zu diesem Thema geführt habe.
- Das multimedial breitgetretene Herrschaftsnarrativ vom Rennen um die mächtigste KI, bei dem – wie immer – der gute Wertewesten gegen die bösen Chinesen oder Russen antritt, lenkt von den Fragen ab, die wir als Individuen und Gesellschaft eigentlich diskutieren müssten: Wollen und brauchen wir KI überhaupt? Wenn ja, in welcher Form? Und welche Effekte wird die Einführung solcher Systeme auf unsere geistige, gesellschaftliche, wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung haben? Diese elementaren Fragen werden vom Empörungsmanagement rund um ein vermeintliches »Wettrüsten« verdrängt – und das ist ganz sicher kein Zufall.
- Gleiches gilt für die allerorten ventilierte Mär vom zurückgebliebenen »Verweigerer«, der das Nachsehen haben wird, weil er KI nicht nutzt. Auch das eine plumpe Nebelkerze der Meinungsbildner im Elfenbeinturm, die von den elementaren Fragen ablenkt. Denn erstens mag KI zwar dabei helfen, Quantität zu schaffen, was sich an Märkten langfristig bewährt, ist aber Qualität. Und zweitens bin ich davon überzeugt, dass es einen kontinuierlich steigenden Bedarf an garantiert menschengemachten Produkten geben wird, weil das von KI-Schrott geflutete Internet schon jetzt immer mehr Menschen, die an der Authentizität von praktisch allem zweifeln müssen, auf die Nerven geht.
Ungeachtet all dieser Tatsachen fühlt manch ein KI-Apologet sich dazu berufen, meine eingangs artikulierte Entscheidung mit Vergleichen zu quittieren, die eine entlarvende Eindimensionalität versprühen. Wer zum Beispiel anführt, ich solle dann am besten auch ohne Taschenrechner oder Suchmaschine arbeiten, müsste vielleicht einmal darüber nachdenken, ob Taschenrechner und Suchmaschine uns permanent überwachen, manipulieren, bestehlen und autonome Kamikazedrohnen steuern.
Ich bin nicht gegen neue Technologien. Im Gegenteil. Auch ich nutze hin und wieder die Brave-KI, Grok oder Venice AI – weil ich wissen möchte, wie sich diese Systeme entwickeln. Wie soll ich etwas analysieren oder beschreiben, wenn ich keine Kenntnis davon habe? Für drei meiner 173 Blog-Beiträge habe ich zum Beispiel Titelbilder mit KI erstellt, weil entweder keine passenden Werke von Künstlern zu finden waren oder ich mir einen Spaß daraus gemacht habe, die Twitter-KI als Bildgenerator zu nutzen, um einen Text über Elon Musks Umtriebe zu bebildern.
Viele Entwicklungen sind fraglos hilfreiche Werkzeuge, wenn man sie als solche einzusetzen weiß. Und genau da liegt das Problem, wie uns das Smartphone bereits eindrücklich bewiesen hat. Denn die meisten Nutzer werden zum Sklaven der Suppressionselektronik, die sie umgibt – ohne es zu merken – und werden sich dessen wohl erst bewusst, wenn die transluzente Zellentür bereits dauerhaft geschlossen ist.
»Die Gefahr des Computers ist nicht die Science-Fiction-Vorstellung, dass Maschinen wie Menschen denken werden, sondern die näher liegende Befürchtung, dass Menschen wie Maschinen denken könnten. Künstliche Intelligenz ist inhuman. Sie entwickelt sich nicht und hat keine Gefühle, sie geht nicht in die Tiefe. Während diese Defekte bei technischen Entscheidungen nur eine geringe Rolle spielen, sind sie umso wichtiger bei sozialen.« (R. Mueller, Risk, Survival and Power, S. 75, 1970)
Daher verspreche ich meinen Lesern an dieser Stelle noch einmal: »Texte und Recherchen 100% ohne KI«. Denn hier recherchiert, denkt und schreibt ein Mensch für andere Menschen. So definiere zumindest ich persönlich mein Berufsethos als Journalist und Autor.
Titelbild: rp




