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Dialog & Dialektik
Peter Thiel und sein tödlicher Überwachungskonzern Palantir stehen wegen des Dialog-Leaks wieder einmal im Fokus. Das ist zu begrüßen, sollte aber nicht davon ablenken, dass zeitgleich die Fusion von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten vorangetrieben wird und das vermeintlich abgeschaffte »Empire« mit seinen »Five Eyes« kontinuierlich expandiert.
Tom-Oliver Regenauer | 22.06.2026
Ob Giorgia Meloni, JD Vance, Palmer Luckey (Anduril), Leo XIV. oder Peter Thiel, den ich bereits am 22. September 2024 ausführlich porträtierte – alle verehren sie J.R.R. Tolkien. Der amtierende Papst beispielsweise zitierte in seinen offiziellen Enzykliken vom 25. Mai 2026 (P. 213) und auf über 40 Seiten nur eine einzige »Person«: Gandalf den Zauberer. Meloni stand in ihrer Jugend auf Tolkien-Cosplay. Peter Thiel gibt seinen Firmen gerne Namen aus »Herr der Ringe« und versucht mit Palantir wahrscheinlich, so etwas wie Saurons Auge zu erschaffen. Zur Hand gehen sollen ihm dabei wohl auch die Adepten seiner eigenen Geheimgesellschaft.
Am 7. August 2025 berichtete AXIOS über eine verschwiegene und hochkarätig besetzte Konferenzreihe namens »Dialog«. Und obwohl dieses diskrete, jährlich stattfindende Stelldichein für Oligarchen, Technokraten und Tyrannen bereits vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde, bei Wikipedia zu finden ist und eine eigene Webseite hat, haben viele wohl erst durch besagten Artikel davon erfahren, dass es existiert. Denn die Gründer, Peter Thiel und Auren Hoffman, gaben sich über die Jahre redliche Mühe, ihr Projekt geheim zu halten. Damit hat besonders Thiel reichlich Erfahrung – ist er doch Gründer des »verschwiegensten Unternehmens im Silicon Valley« und seit langem fester Bestandteil des ebenso diskret operierenden Steuerkreises der Bilderberg-Konferenzen.
Diese Erfahrungswerte und eine exklusive Dialog-App genügten aber offenbar nicht, um für den Dialog mit seinen Adepten eine sichere Webseite einzurichten. Wie dem neuen und von WIRED am 16. Juni 2026 hinter einer Paywall publizierten »Dialog Leak« zu entnehmen ist, war nämlich genau das die Schwachstelle, an der die aus Luzern (Schweiz) stammende Hackerin Tillie Kottmann alias »maia arson crimew«, die bereits 2023 mit der Veröffentlichung der »No Fly List« der USA von sich reden machte, ansetzte. Aufgrund eines Fehlers im Code der Seite konnte sie sich Zugang zu ungesicherten Datenbanken verschaffen.
Wirft man einen Blick auf die nun veröffentlichte, über 200 Namen umfassende Teilnehmerliste von »Dialog 2026«, das vom 12. bis 14. August in der Nähe von Dublin (Irland) stattfinden soll, wird klar, warum das öffentliche Interesse für Thiels Geheimgesellschaft gar nicht groß genug sein kann – finden sich neben bereits bekannten Namen wie Elon Musk, Jared Kushner, Eric Schmidt, Tulsi Gabbard, Garry Kasparov, Ted Cruz, Nicolas Berggruen und Richard Haass doch auch Bilderberg-2017- und Dialog-2022-Teilnehmer Jens Spahn, EU-Außenbeauftragte und Kommissionsvizepräsidentin Katja Kallas, Google-Vizepräsidentin Lisa Gevelber oder General Alexus Grynkewich, Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa und Chef des US-Europakommandos unter den Auserwählten. Hinzu kommen amtierende Mitglieder der US-Regierung, zwei US-Senatoren, sechs Mitglieder der PayPal-Mafia, der ehemalige Geheimdienstchef für den Nahen Osten sowie Chefs der größten Überwachungskonzerne und Datenbroker.
Für noch mehr öffentliches Interesse sollte jedoch die Agenda des diesjährigen Meetings sorgen. Denn die Ergebnisse von vertraulichen Gesprächsrunden zu Themen wie »Den Dritten Weltkrieg meistern«, »Erschaffe einen Kult«, »Schlachtfeldtechnologie« oder »Es macht Spaß, das Sagen zu haben« dürften auch für die Allgemeinheit von Interesse sein.
Bereits 2022 hatte der Statistiker Andrew Gelman eine Dialog-Einladung auf seinem Blog veröffentlicht und sich über die hohen Teilnahmegebühren von 16.846 US-Dollar lustig gemacht, die erst nach Eingabe eines Discount-Codes um 70 Prozent sinken. In den Epstein-Files wiederum findet sich eine Einladung zum Dialog 2014. Sie wurde von der Harvard-Physikerin Lisa Randall, die sich erkundigen wollte, ob es Sinn mache, teilzunehmen, an Jeffrey Epstein weitergeleitet – was Epstein in seiner Antwort vom 28. November 2012 bejahte. Auch der britische Finanzjongleur Ian Osborne schickte seine Einladung zum Dialog 2014 an Epstein. Man hätte also längst darüber berichten können. Leider ist man aber auch beim Forbes-Magazine erst am 18. Juni 2026 über dieses Thema »gestolpert«.
So fragt man sich an dieser Stelle zunächst, warum Thiel überhaupt eine eigene Geheimgesellschaft gründet, wenn er im Führungszirkel von Bilderberg seit langem Einfluss auf die Schattendiplomatie des supranationalen Korporatismus nehmen kann – und zum anderen, warum plötzlich sogar Klatschblätter wie AV Club oder der Hollywood Reporter über einen Mann berichten, der stets bemüht war, das Licht der Öffentlichkeit zu meiden. Liegt es an seiner seltsamen Vortragsreihe zum »Antichrist«, die seit letztem Jahr nicht nur in Rom für Aufsehen sorgte und Ars Technica dazu brachte, Thiel als »Antichrist Alarmist« zu bezeichnen? An seiner soziopathischen Antwort auf die Frage eines Interviewers, ob er wolle, dass die Menschheit das KI-Zeitalter überlebt? Oder daran, dass er nun in Argentinien Wohnsitz fassen möchte, nachdem er sich vor über zehn Jahren für Neuseeland entschied, wo man ihm die Staatsbürgerschaft hinterher warf, obwohl er sich nur zwölf Tage vor Ort aufgehalten hat? Liegt es daran, dass sowohl die Schweiz als auch Frankreich unlängst erklärten, nicht (mehr) mit Thiels tödlicher Datenkrake Palantir zusammenarbeiten zu wollen? Bröckelt da etwa die Fassade – oder gar Thiels verdeckt finanzierter Machtapparat?
Unwahrscheinlich. Marktanalysten finden »Palantir attraktiv wie nie zuvor«. Kein Wunder. Das Unternehmen hatte 75 Rahmenverträge mit dem Pentagon, die letztes Jahr in einem einzigen, zehn Milliarden schweren Paket zusammengeführt wurden. Das macht Thiels Konzern zum »Standardanbieter für Software- und Dateninfrastruktur beim US-Militär«. Darüber hinaus hat Palantir einen 300-Millionen-Deal mit dem US-Landwirtschaftsministerium (USDA), einen milliardenschweren Blankoscheck des US-Heimatschutzministeriums (DHS) für Massenüberwachung und eine Kooperation mit der US-Steuerbehörde (IRS) zur »Identifikation von hochklassigen Audit-Zielen« im Kryptosektor vorzuweisen. Thiels Konzern stellt das Betriebssystem für die Luftstreitkräfte, Killer-KI für die Marine – siehe »Project Dynamis« – und Überwachungsinstrumente für die Gesundheitsbehörde (CDC). Nicht zu vergessen die Zusammenarbeit mit der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) zur »Modernisierung der Lebensmittelversorgungskette«. Palantir ist überall, überwacht alles und jeden. Jederzeit.
Wenn in der US-Regierung also noch irgendjemand »repräsentiert« wird, ist es Big Tech. Das von London, Wall Street und Geheimdiensten geformte Silicon Valley. Die »Broligarchie« – angeführt von Palantir. Von Thiel, dem »Paten der PayPal Mafia«. Wo Google, Microsoft, Amazon und Co. einst Daten stahlen, um kundenspezifische Werbung und Propaganda zu betreiben, hat Palantir Systeme installiert, die diese Daten nutzen, um zu töten. International und automatisiert.
Der Datenpool, auf den Thiels Unternehmen zugreifen kann, ist einzigartig, weil Palantir Daten nicht nur im Internet oder bei den Big-Tech-Buddies, sondern auch bei Regierungen, Militärs, Geheimdiensten und Banken abschöpft – und über von Thiel finanzierte Unternehmen wie Clearview AI oder Elon Musks DOGE, das vor allem lanciert wurde, um die Datensilos von US-Ministerien zu knacken und das Diebesgut in einem Big-Data-Pool für KI-Modelle zu konsolidieren. Einem Whistleblower, der die kriminellen Umtriebe von DOGE öffentlich machte, schnitt man übrigens die Bremsschläuche durch.
Parallel zu Palantir entwickeln natürlich auch weniger prominente Firmen wie das in Rom ansässige Unternehmen Leonardo – immerhin der zwölftgrößte »Defense Contractor« der Welt – Überwachungssysteme. Leonardo zum Beispiel Signal Trace, das »Überwachung weit über das Kennzeichen hinaus« ermöglicht, weil seine Sensoren alle in einem Fahrzeug befindlichen, empfangsfähigen Geräte kartographieren: Smartphone, Smartwatch, Bluetooth-Kopfhörer, Infotainment-System, Navigationssystem, Reifendrucksensoren, RFID-Zugangskarten und den Mikrochip des Hundes. Das erzeugt einen einzigartigen »elektronischen Fingerabdruck«, der das Fahrzeug, beziehungsweise dessen Insassen, schon anhand des Geräte-Clusters identifizierbar macht. Ganz ohne Kamera und Kennzeichenerkennung. Das MIT zeigte bereits 2013, dass schon vier Raum-Zeit-Kombinationen 95 Prozent aller Personen eindeutig identifizieren können. Signal Trace sammelt dutzende davon. Jedes Mal, wenn man an einem Mast vorbeifährt – und die werden in den USA gerade aufgestellt.
Dass Palantir Zugriff auf diese Daten haben wird, ist dank Cloud-Speicherung bei Amazon oder Oracle und Zugang zu Regierungssystemen mehr als wahrscheinlich. Die Organisationsstrukturen von Staat und Konzernoligarchie sind mittlerweile so eng verwoben, Thiels Geld ist so weiträumig gestreut und die PayPal-Mafia so präsent, dass sich in Washington eigentlich nur noch die Frage stellt, wer den roten Knopf im Falle drückt: Trump, Netanjahu, Peter Thiel oder Palantirs KI?
»Bibi« ist jedenfalls im Begriff, seine diesbezüglichen Chancen zu verbessern. Denn Sektion 224 des National Defense Authorization Act 2027 (NDAA) zielt darauf ab, die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel zu institutionalisieren. Eine nur mühsam revidierbare »Fusion«. Nicht nur in Bezug auf Daten. Gleiches geschieht in puncto Geheimdienste. Denn der Intelligence Authorization Act 2027 wird mit Sektion 622 (Seite 118) auch die Geheimdienste der beiden Länder verschmelzen lassen. »Alles andere also als America First«, wie man bei Responsible Statecraft kommentiert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Pentagon zeitgleich die Gefahrenstufe für »israelische Spionage in den USA« auf »kritisch« anhob. Die höchste Stufe. Beim Independent schrieb man dazu am 9. Juni 2026:
»Die USA treiben derzeit ein Gesetz voran, das die Zusammenarbeit im Verteidigungs- und Geheimdienstbereich mit Israel massiv ausweitet und die Spionageallianz ‚Five Eyes‘ in den Schatten stellt. Es bindet die USA rechtlich an ein Land, das Kriegsverbrechen begangen haben soll. Eine verpflichtende Ausweitung der ohnehin schon engen Beziehungen zu Israel wird Männern wie Benjamin Netanjahu, der vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist, Zugang zu den sensibelsten Geheimnissen der US-Geheimdienste verschaffen. Das Gesetz wird mit überparteilicher Unterstützung im Kongress verabschiedet.«
Eine wachsende Anzahl von Amerikanern sieht sich einer feindlichen Übernahme ausgesetzt und wertet die geplante Fusion als historischen Affront – obwohl bereits die 1941 initiierte Spionageallianz »Five Eyes«, der neben Großbritannien und den Vereinigten Staaten die britischen Kolonien Australien, Neuseeland und Kanada angehören, nichts anderes als eine feindliche Übernahme der USA durch das »Empire« war. Siehe UKUSA-Vereinbarung. Insoweit ist die Fusion mit Israels Militär- und Geheimdienstkomplex nichts anderes als eine konsequente Fortführung von britischem Imperialismus, der seit Jahrhunderten weite Teile der Welt kontrolliert und die Gründung des Staates Israel mit der Balfour-Erklärung 1917 erst ermöglichte. Jetzt integriert man das neue Dominion, um die Expansion des zionistisch-angloamerikanischen Weltreichs voranzutreiben.
In diesem Zusammenhang sollte einmal mehr an eine E-Mail erinnert werden, die Jeffrey Epstein am 28. Februar 2016 an Peter Thiel versandte und mit dem Satz eröffnete: »Wie Du vielleicht weißt, repräsentiere ich die Rothschilds« – eine fanatisch-zionistische Familie also, deren Vorfahre, Lord Lionel Walter Rothschild, den ersten Entwurf der Balfour-Erklärung vom 18. Juli 1917 verfasste.
Das britische Imperium umfasste zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung ein Viertel der Weltbevölkerung und ein viertel der Landfläche der Erde. Seine Nachfolgeorganisation – das Commonwealth of Nations – umfasst immer noch 56 Länder, in denen fast zweieinhalb Milliarden Menschen leben. 15 dieser Länder, darunter Australien, Kanada, Neuseeland, Jamaika und die Bahamas, werden als »Realms« bezeichnet, weil König Charles III auch dort amtierender Monarch ist. Wer also denkt, das von der 1884 gegründeten Fabian Society aufgebrachte Konzept der »Sozialdemokratie« hätte den Feudalismus abgelöst, liegt falsch. Die britischen »Royals« installierten mit dem Exportschlager Sozialdemokratie lediglich eine sedierende Fassade, die ihren Untertanen die Illusion vermittelt, mitbestimmen zu dürfen. Europa folgte. Im Hintergrund herrschen aber immer noch die gleichen Strukturen wie seit Jahrhunderten. Von der Pax Britannica zur Pax Americana zur Pax Silica.
Die Herrschaftskaste hat heute lediglich bessere Werkzeuge zur Hand, um die Massen zu kontrollieren. Wo man früher Flottenverbände und Bomberstaffeln entsandte, um ferne Länder zu unterwerfen, wo man Zeitungen drucken, Radiostationen kaufen und TV-Moderatoren pudern musste, um Propaganda zu betreiben, schickt man heute Avatar-Armeen ins Feld. Das ist schneller, billiger und wirkungsvoller.
Siehe BlackCore – eine israelische Firma, die sich selbst als »ein auf Einfluss, Cybersicherheit und Technologie spezialisiertes Unternehmen, das für das moderne Zeitalter der Informationskriegsführung entwickelt wurde« beschreibt. Gegründet wurde BlackCore von Ex-Mitgliedern des israelischen Militärgeheimdienstes und der Spezialeinheit Unit 8200. Im Fokus steht das verdeckt operierende Unternehmen derzeit, weil gemeinsame Recherchen der französischen Libération und der israelischen Haaretz Anfang Juni ans Licht brachten, dass BlackCore im März 2026 die französischen Kommunalwahlen manipuliert hat. Mit einer Avatar-Armee. Die Agenten verteilten aber auch Plakate, Flyer und Aufkleber in den Einsatzgebieten.
Das Komplott flog auf, weil die digitalen Spuren der falschen Profile, die BlackCore hundertfach angelegt hatte, nach Abschluss der Aktion nicht vollständig beseitigt worden waren. Der 41 Seiten umfassende Bericht der französischen Regierung erläutert entsprechende Details und visualisiert die von BlackCore verwendete Infrastruktur. Selbst Yahoo! muss dahingehend am 14. Juni 2026 eingestehen, dass »Israels Informationskriegsführung mittlerweile kaum noch Grenzen kennt«.
Korrekt. Denn BlackCore steht im Verdacht, auch in New York, Schottland, Angola und Togo Wahlen manipuliert zu haben. Man spricht von einem veritablen »Skandal« und »globaler Wahlbeeinflussung«. Wobei es den Auftraggebern von BlackCore wahrscheinlich weniger um das Ergebnis bestimmter Wahlen als um generelles Imagedesign zugunsten der extremistisch-zionistischen Regierung geht. Stimmen, die sich gegen den Genozid in Gaza aussprechen, sollen verstummen. Wie man dieses Ziel erreicht, ist den Auftraggebern von BlackCore egal. Genau aus diesem Grund muss man das »Mission Statement« auf der mittlerweile deaktivierten Unternehmenswebseite von BlackCore – »Information in Wirkung verwandeln« – durchaus ernst nehmen.
Denn welche Wirkung Israels Umtriebe entfalten, konnte man in den letzten Jahren deutlicher sehen als je zuvor. Und territoriale Grenzen spielen für die Supranationalisten in London, Washington, Palo Alto und Tel Aviv ebenso wenig eine Rolle, wie moralische.
Am Ende ist es also doch wieder ein bisschen wie bei »Herr der Ringe«. Wir sind die Geister einer untergegangenen Welt – und dafür verantwortlich, Ideen für eine bessere zu hinterlassen.
Titelbild: LOTR




